Später wurde ich auf Originalfilme bzw. Videokassetten aufmerksam. Wenn man eine kaufen wollte, musste man die immensen Preise, die die Videotheken (Verleihkassetten) bezahlen mussten. D.h. die Kassetten gabs für private Leute nicht offiziell, man musste über ein Videothekenbesitzer bestellen, wenn man bereit war einige hundert Franken zu bezahlen. Die einzige Chance war, wenn eine Videothek Occassionen verkauften, die aber immer noch das x-fache von heutigen Preisen kosteten. Das war für mich als Schüler unerreichbar! Da blieb nur noch das Mieten der Filme.
Ich kann mich noch gut erinnern, die ganze Videoverleihgeschichte war noch in den Anfängen, in unserem Dorfs gabs aber schon eine Videothek. Ich war noch Schüler, daher musste ich eine elterliche Genehmigung bringen um Videos mieten zu dürfen. Besonders die mit „nur für Erwachsene“ 18er Horrorfilme. Meine Mutter gab mir nach langen hin und her die Genehmigung, sodass ich einer der Wenigen im Dorf war, der in meinem Alter Videos mieten durfte, geschweige Horrorfilme. Ein anderes Problem war, in den 80er Anfängen waren die Videorekorder schweineteuer. Es war ein purer Luxus so ein Gerät zu haben.
Die Mieten kosteten viel Geld, ich kam daher irgendwann auf die Idee gemietete Filme zu kopieren, denn ich sah bei einer Tankstelle in Bümpliz Bern eine Möglichkeit an einen zweiten Videoplayer zu kommen. Wenn man mindestens 3 Filme mietete gabs ein Video-Abspielgerät dazu gratis zum Gebrauch, weil eben die Meisten noch kein Videoplayer hatten. Dies machte ich dann. Der Tankstellenbesitzer hatte zumeist so „Electric Blue“ Schinken und Schmuddelfilme, welche ich halt mietete um an den Player zu kommen. Meistens arrangierte ich es, dass ich übers Wochenende auslieh, damit ich genügend Zeit hatte. Ich besorgte mir ein Verbindungskabel (mit Din Stecker) und ging dann in die Dorfvideothek um Filme für den Kopiertest zu holen, die Schmuddelfilme habe nie angeschaut, waren ja nur "Alibi" für das 2. Abspielgerät. Da gab es noch keine Macrovision Kopierschutz und Zensurlisten etc. Da gabs noch alles volle Kahne in der Videothek zu mieten. Erst später mischten sich die kirchlichen Institutionen oder konservativ und kirchlich geprägten Zeitgenossen in die Videokunst ein und begannen erwachsene mündige Bürger zu bevormunden, was gesehen darf und was nicht. Alles unter dem Banner des Jugendschutzes. Wenn ich mich nicht täusche, waren die ersten Filme, die ich kopierte „Airwolf -Der Film, Ninja Kommando und Barrcuda„.
Zu Hause verkabelte ich alles, liess es ablaufen und kopierte mal den Film „Airwolf“. Nach Ende des Films testete ich die Aufnahme und es funktionierte! Der Film war drauf, allerdings der Ton immens leise bis fast stumm! Hm, ich dachte besser als nichts. Unglaublich mit wie wenig man damals schon zufrieden war, so rar und nicht selbstverständlich wie heute war es damals. Als ich aber das Verbindungskabel rauszog aus dem Videorekorder, war der Ton gut und nicht leise! Heissa, da war Weihnachten für mich. Ich hatte so eine Scheissfreude!! Meine Leidenschaft für Filme zu sammeln war geboren. Ich war jahrelang exklusiver Besitzer von Filmen im Dorf und Schule. Ich war damals schon der Horrorfreak.
Hier eine kleine Anekdote:
In der Schule hatten wir jedes Jahr eine Interessenwoche. Als der Film dann das Thema war, wollte unser Klassenlehrer ein Kinofilm zum Abschluss zeigen. Die Schulwarte versagte allerdings, der Film wurde nicht rechtzeitig zugeschickt. Mein Ruf als Filmfreak holte mich ein und der Lehrer fragte mich, ich hätte doch sicher ein Film in der Tasche? "Selbstverständlich" antwortete ich unschuldig. Ein schöner Unterwasser Naturfilm mit schönen Fischen, wäre das ok? Der Lehrer stimmte erleichtert zu und ich gab ihm den "Barracuda", in der ungeschnittenen Fassung versteht sich. Der Film lief dann einige Minuten, alles schien palletti. Als dann die Barracuda dafür sorgten, dass abgetrennte Leichenteile durch das Bild schwammen, sprang der Lehrer entsetzt auf und stoppte den Film! Grosses Gelächter oder schockierte Schüler im Schulzimmer und ich kriegte ein Zusammenschiss vom Lehrer. Tja, ich war ja der Horrorfreak, hätte er sich ja denken können :-)
Mit der Zeit kaufte ich auch gebrauchte Filme z.B. von Telerent Videotheken. Erst viel später kam der Mainstreamverkauf von Filmen auf VHS Kassetten und die Preise waren anfänglich auch extrem hoch. Da fingen die Filmgesellschaften auch an den Endverbraucher zu verarschen, indem man Filme schnitt um den FSK 16 zu bekommen und somit konnte man ein breiteres Publikum erreichen, ergo mehr Kohle! Die ersten Neu-Filme auf VHS kaufte ich in einer Joe’s Videopalast am Waisenhausplatz in Bern und waren die Klassiker Die Fliege 1+2 und die Spider-Man Trilogy (Spiderman, der Spinnenmensch, Spiderman schlägt zurück, Spiderman gegen den gelben Drachen) eine amerikanische Kurzserie, die bis heute nie komplett auf Deutsch veröffentlicht wurde. ausser ein paar zusammengefügte Episoden auf diesen drei VHS Kassetten. Später hatte ich dann natürlich weitere Videorekorder der aktuellen Technik von Panasonic, Philips, Sharp und vor allem Sony.
Hier ist ein Bild von meinem Sony Videorekorder, im Einsatz von 1995-2005. Damals war dies der beste Videorekorder seiner Zeit auf dem Markt. Mehrfacher Testsieger. Ich musste ihn aus Deutschland für ca. 850 Mark importieren, den gabs in Schwarz hierzulande nicht. Alles noch mit Fax usw. da gabs noch kein Internet und E-Mail etc.